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Ein EU-weiter, offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb

Auszüge aus dem kürzlich abgeschlossenen Architekturwettbewerb.

Erstellt vom Architekturbüro Kreutzer & Krisper

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung, wie z.B. Teilnehmer/Innen, verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.

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EU-weiter, offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb

zur Erlangung von baukünstlerischen Vorentwürfen mit anschließendem Verhandlungsverfahren mit dem Gewinner über Architektenleistungen für den

Neubau der Gesundheitseinrichtung Josefhof

ART DES WETTBEWERBES:

Der Wettbewerb wird offen und zweistufig durchgeführt. Das Preisgericht wird ausgehend von den Beurteilungskriterien der 1. Stufe 6 ungereihte Teilnehmer und 2 Nachrücker für die 2. Stufe bestimmen. In der 1. Wettbewerbsstufe stehen bei reduziertem Bearbeitungsaufwand die städtebauliche und freiraumplanerische Lösung im Vordergrund. In der 2. Wettbewerbstufe sind umfassend ausgearbeitete Vorentwürfe gefordert.
Im Anschluss findet ein Verhandlungsverfahren ohne vorherige Bekanntmachung gemäß BVergG idgF mit dem Gewinner über die Vergabe von Architektenleistungen statt. Die Anonymität der Teilnehmer wird über die gesamte Dauer des Verfahrens bis zur abschließenden Entscheidung des Preisgerichts über den Gewinner gewährleistet.

WETTBEWERBSTEILNEHMER/TEILNAHMEBERECHTIGUNG

Teilnahmeberechtigt sind:
• Österreichische Architekten, Zivilingenieure für Hochbau und ZT-Gesellschaften mit entsprechender Befugnis gemäß Ziviltechnikergesetz in der geltenden Fassung.
• Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der EU, des EWR oder der Schweiz, die in einem Mitgliedstaat der EU/des EWR oder der Schweiz niedergelassen sind und dort den Beruf eines freiberuflichen Architekten oder eines freiberuflichen Ingenieurkonsulenten auf einem Fachgebiet, das den Fachgebieten der o.a. Befugnisträger gleichzuhalten ist, befugt ausüben.
• Natürliche Personen, die eine Planungsberechtigung zur selbständigen Planung des Wettbewerbsgegenstandes im Sitzstaat des Teilnehmers besitzen.
• Juristische Personen im vorgenannten Sinne, sofern deren satzungs-gemäßer Gesellschaftszweck auf Planungsleistungen ausgerichtet ist und der Wettbewerbsaufgabe entspricht und einer der vertretungsbefugten Geschäftsführer bzw. der Verfasser der Wettbewerbsarbeit die an natürliche Personen gestellten Anforderungen erfüllt.

Für die nichtösterreichischen Teilnehmer wird auf die Informationspflicht der DienstleisterInnen vor Erbringung der Dienstleistung (im Auftragsfall) an die DienstleistungsempfängerInnen gemäß § 32 ZTG hingewiesen.“
Anmerkung: Gemäß § 32 ZTG ist der Dienstleister verpflichtet, vor Erbringung der Dienstleistung den Dienstleistungsempfänger über Folgendes zu informieren:

1. das Register, in dem er eingetragen ist, sowie die Nummer der Eintragung oder gleichwertige, der Identifikation dienende Angaben aus diesem Register,
2. Name und Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde des Niederlassungsstaates,
3. die Berufskammer oder vergleichbare Organisationen, denen der Dienstleister angehört,
4. die Berufsbezeichnung oder seinen Befähigungsnachweis,
5. die Umsatzsteueridentifikationsnummer nach Art. 22 Abs. 1 ABl. L 145 vom 13.06.1977 S. 1, zuletzt geändert durch die Richtlinie 2004/66/EG, ABl. L 168 vom 01.05.2004 S. 35 und
6. Einzelheiten zu seinem Versicherungsschutz in Bezug auf die Berufshaftpflicht.
Anmerkung: Die Befugnis, die Leistungsfähigkeit und die Zuverlässigkeit muss beim offenen Wettbewerb zum Zeitpunkt der Vorlage der Wettbewerbsarbeiten vorliegen.

Aufgabenstellung

Standort und Betriebsbeschreibung

Der Josefhof ist eine eigene Einrichtung der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau und ist das Kompetenzzentrum für stationäre Gesundheitsförderung und Prävention der VAEB. Für die Präventivmedizinische Einrichtung sind vorrangig Versicherte der Versicherungsanstalt anmeldeberechtigt. Private Anmeldungen werden nur vereinzelt (z.B. für Ehepartner) angenommen.
Das Areal liegt 10 km nordöstlich des Grazer Stadtzentrums und ist von diesem in ca. 20 Minuten per Individualverkehr erreichbar. Es umfasst in Summe ca. 55 ha Grünland, das von den Gemeinde- bzw. Bezirksgrenzen Graz und Weinitzen geteilt wird. Das Gebiet ist trotz der Stadtnähe in eine ruhige Landschaft gebettet und bietet direkten Sichtbezug zum nahegelegenen Grazer Hausberg Schöckl.
Das gesamte Areal wird für Aktivitäten zur Gesundheitsförderung und Prävention genutzt. Ziel ist es dem Besucher während des Aufenthaltes ein ausreichend abwechslungsreiches Programm zu bieten und Bestrebungen das Areal zu verlassen nicht zu fördern. Diesen Ansatz unterstützt auch die derzeit dafür nicht entsprechende Infrastruktur der unmittelbaren Umgebung. Das nächstgelegene Gasthaus befindet sich erst in ca. 700 m Entfernung. Außerhalb der Hauptmahlzeiten sollen vor allem die hausinternen Gastronomieeinrichtungen (Bar, Cafe) aufgesucht werden. Eine öffentliche Anbindung ist nicht vorgesehen. Die Anreise erfolgt hauptsächlich mit eigenem PKW sowie eine betriebseigenen Kleinshuttlebus.

Anlagenbeschreibung

A - Bauteil Josefhof (derzeitiger Bestand)

Im bestehenden Josefhof sind derzeit neben dem Beherbergungs-, Küchen- und Speisesaalbetrieb, auch die Seminar- und Fitnessräume, die Schauküche und Verwaltung, sowie das Hallenbad und der Saunabereich untergebracht.
Der bautechnische Zustand und der Standort des Gebäudes macht eine Reinvestition in das bestehende Gebäude unwirtschaftlich. Der gesamte Gebäudekomplex soll vollständig abgebrochen werden. Alle Raumgruppen sind im neuen Gebäudeteil als auch im zu sanierenden Johannhof unterzubringen. Am derzeitigen Standort sind bisher keine weiteren Funktionen vorgesehen. Es kann eventuell als Vorbehaltsfläche für zukünftige Erweiterungsbauten vorgesehen werden.

B - Bauteil Johannhof (Sanierung)

Der Johannhof soll im Bestand erhalten bleiben. Im Raum- und Funktionsprogramm ist dieser als eigener Gebäudetrakt zu berücksichtigen. Der auszubauende Dachboden soll in das Nutzungskonzept integriert werden. Eine thermische Sanierung der Dacheindeckung ist erforderlich.
Zum Neubautrakt soll es eine witterungsgeschützte, räumlich geschlossene und klimatisch konditionierte Verbindung geben.
Für den im Bestand zu erhaltenden Johannhof wurde in Vorbereitung des Wettbewerbs ein Strukturkonzept bzw. ein Flächennachweis ausgearbeitet. Dieses Konzept kann als Vorlage der eigenen Überlegungen herangezogen werden.
Schwerpunktmäßig ist für den Johannhof der Freizeit- und Aktivbereich mit folgende wesentlichen Funktionen vorgesehen: mentaler Entspannungsraum (im Dachgeschoss), Gymnastikräume, Fitnessraum und Kletterraum, Kegelbahn und die weitere Nutzung des Cafés oder der Bar (auch für externe Gäste).

C - Bauteil Josefhof (Neubau)

Nachdem der bestehende Josefhof abgebrochen werden soll, sind alle derzeit dort angesiedelten Funktionen in einem neu zu errichtenden Gebäude südlich der Zufahrtsstraße unterzubringen. Die Kapazität des Betriebs soll im Zuge der Neukonfiguration des Josefhofs von 71 auf 120 Zimmer aufgestockt werden. Mitunter soll der Neubau neben dem Hoteltrakt auch die Seminarräumlichkeiten, die Küche sowie den Speisesaal, die Aufnahmestation und das Ambulatorium, einen Großteil der Verwaltungsräumlichkeiten sowie den Aqua- und Regenerationsbereich beinhalten. Einzig der Freizeit- und Aktivbereich soll ausschließlich im bestehenden Johannhof untergebracht werden. Die erforderlichen Flächen für die Haustechnik sollen sich ebenfalls vorrangig im Bereich des Neubautrakts konzentrieren, jedoch können einzelne Räumlichkeiten im Johannhof dafür weiterverwendet werden.

D - Freiflächen

Die bestehenden Parkplätze für Gäste sollen entsprechend dem Bettenangebot an ihrem derzeitigen Standort erweitert werden.
Die Freibereiche wie Discgolf- oder Bogenschießanlage sind Teil des Bestandes und an ihrem derzeitigen Standort zu belassen. Sie erfordern keinen weiteren Handlungsbedarf.
Ein Info-Point bzw. Meeting-Point für Freizeitaktivitäten im Freibereich ist auch weiterhin zu berücksichtigen.
Südseitig des Neubautraktes soll ein Teich angelegt werden. Dieser soll aus den örtlichen Wasservorkommen gespeist werden. Der Teich soll gleichzeitig als Löschteich für die Feuerwehr dienen. Eine um den Teich umlaufende Finnenbahn ist zu berücksichtigen.
Die bestehenden Beachvolleyballplätze sollen im Bestand erhalten bleiben. Der daran angrenzende Tennisplatz soll in Zukunft als multifunktionaler Platz genutzt werden können. Um einen ganzjährigen und witterungsunabhängigen Betrieb zu gewährleisten, ist hierfür eine Überdachung vorzusehen. Eine allseitige Umfassung ist jedoch nicht angestrebt.

E - Bauteil - Heizkraftwerk

Die Kapazität des vorhandenen Heizkraftwerkes ist für die Versorgung aller zukünftigen Anlagen ausgelegt. Das Grundstück ist bereits aufgeschlossen und eine Vorbereitung des Heizkraftwerkes zur Anbindung künftiger Erweiterungsbauten vorhanden.

Ausbau Konzept für Bauteil C - Neubau Josefhof

Bauplatz

Die Lage des Areals bietet südseitige Sonnenlage und nordseitig Blick auf den Hausberg Schöckl.
Nördlich und südlich der vorhandenen Gebäudekomplexe befinden sich die Freibereiche mit unterschiedlicher thematischer Zuordnung.
Nördlich der Gemeindestraße befindet sich zudem eine private Anlage für betreutes Wohnen, welche jedoch organisatorisch von den anderen Anlagen unabhängig ist.
Das bebaubare Areal (Bauteil C) ist derzeit noch für die Errichtung von Krankenanstalten sondergewidmet. Es wurde jedoch eine Umwidmung im Zuge der Planung in Bauland zugesagt.
Die Bebauungsbestimmungen sind dem raumplanerischen Gutachten zu entnehmen.

Zufahrt

Der bestehende Bauteil A (Josefhof Bestand) wird derzeit über eine private Zufahrtsstraße südseitig erschlossen. Die Zufahrt zum Bauteil B (Johannhof Bestand) erfolgt nordseitig. Die Verbindungsstraße von Bauteil A zu Bauteil B markiert die Bezirksgrenze Graz und Graz-Umgebung sowie die Gemeindegrenze Graz und Weinitzen. Die beiden vorhandenen Bauteile A und B werden im Bestand durch die Zufahrt räumlich voneinander getrennt. Bei der Konfiguration des Neubaus südlich der Zufahrtsstraße ist auf eine funktionale und räumliche Zuordnung zum zu erhaltenden Bauteil B Rücksicht zu nehmen.
Eine LKW-Anlieferung erfolgt zur Zeit durchschnittlich 3 x pro Tag. An- und abgeliefert werden Ladungen mit Wäsche, Lebensmitteln und Müll.
Im neuen Endausbau soll eine separate Anlieferung über die Umfahrung des nördlichen Rands der Anlage im Westen des Gebäudekomplexes erfolgen. Der Küchen- und Gastronomietrakt wären demzufolge standorttechnisch westlich anzusiedeln.
Der Haustechnikbereich wäre aus Gründen der Lieferzufahrt ebenfalls westlich vorzusehen.

Neubau

Der bestehende Bauteil A (Josefhof Bestand) soll abgebrochen werden. Sämtliche Funktionen des abgerissenen Gebäudes sollen in Zukunft neben dem im Johannhof (Bauteil B) untergebrachten Flächen ein neu zu errichtendes Gebäude südlich der Zufahrtsstraße übernehmen.
Für die Konzeption des Neubaugebäudes ist zu beachten, dass die Errichtung einen möglichst geringen Einfluss auf die Betriebsführung der bestehenden Gebäudeteile A und B nimmt. Der Abbruch von Bauteil A erfolgt erst nach Umsiedlung des Betriebes in den Neubau. Die durch den Abbruch freigewordene Fläche ist für spätere bauliche Erweiterungen vorgesehen.
Im Endausbau soll eine räumliche Verbindung (oberirdisch oder unterirdisch) zwischen dem Neubau und dem zu sanierenden Johannhof (Bauteil B) hergestellt werden. Diese Verbindung soll durch einen gedeckt konditionierten umschlossenen Verbindungsgang erfolgen.
Ziel ist es, für den gesamten Betrieb bzw. Gebäudekomplex einzelne Räume und Raumgruppen in der technischen Umsetzung flexibel nutzbar zu gestalten.
Es sind die lokal geltenden baurechtlichen Vorschriften und Normen anzuwenden.
Flächen
Nutzfläche Neubau (Bauteil C) .............................................................. = 7.806,00 m²
Nutzfläche Johannhof (Bauteil B) .......................................................... = 1.400,22 m²
Nutzfläche Gesamt Johannhof und Neubau (Bauteil B und C) ......... = 9.206,22 m²

Die Gesamt-Nutzfläche bezieht sich auf den Neubau sowie die Flächen des zu sanierenden Johannhofs inkl. dessen Nebengebäude.
Im Vergleich zum Bestand resultiert das erhöhte Nutzflächenausmaß im wesentlichen durch die Aufstockung der Bettenkapazität im Zuge der Neuerrichtung des Josefhofes.
Die Nutzflächen des Johannhofes werden durch den Ausbau des geräumigen Dachgeschosses erweitert.

Materialisierung

Es wird eine dem ländlichen Standort angemessene Materialisierung unter Bedachtnahme auf die Langlebigkeit der Materialien empfohlen.
Es ist vorgesehen, dass man das Gebäude adäquat dem Standard gestaltet und einrichtet. Eine Bezugnahme auf Hotelanlagen des Wellnessbereiches ist nicht angestrebt. Der Schwimmbad und Saunabereich sollte funktional gestaltet sein, sich gegenüber touristischen Freizeiteinrichtungen abgrenzen und vorrangig den Gesundheitscharakter transportieren.

Technische Anforderungen

Gründungstechnische Maßnahmen:
Gemäß geotechnischem Bodengutachten vom 24.11.2013 von Dr. Lechner ZT-GmbH (Graz) sind zur Bebauung des Bauplatzes spezielle gründungstechnische Maßnahmen in Form von Schneckenbohrpfählen, Anker und auch Stahlbetonriegel anzuwenden. Im Zuge der Bauführung sind eine Baugrubensicherung in Form von z.B. Spritzbeton und Spundwände inkl. Verankerung nötig.
Haustechnische Erfordernisse (z.B. Klimatisierung, Belichtung) sind entsprechend der jeweiligen Raumnutzungen anzuwenden.

Nachhaltigkeit
Das Gebäude soll als Niedrigenergiehaus ausgeführt werden. Die aktuell gebräuchlichen ökologischen Maßnahmen wie zum Beispiel Solar- oder Wärmerückgewinnungsanlagen etc. sind zu berücksichtigen. Heiztechnisch soll das künftige Gebäude über das bestehende Heizkraftwerk versorgt werden.
Auf die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes in Errichtung und im Betrieb ist zu achten.

Betriebliche Erweiterungspalette der Geschäftsfelder

In Zukunft möchte man das Geschäftsfeld auch in Richtung von Sonderveranstaltungen für sportliche oder mediale Events erweitern können (Beachvolleyballturniere, Kongresse usw.). Die Nähe zur Landeshauptstadt könnte auch ein Anreiz sein die Räumlichkeiten für größere (Wochenend-) Veranstaltungen wie Messen oder private bzw. geschäftliche Feiern zu öffnen.
Angedacht wurde auch die Einrichtung eines Generationenparks (= Spielplatz für Senioren).
Für spätere Erweiterungsbauten steht nach Abbruch des bestehenden Josefhofes dessen Standort zur Verfügung.

Raum- und Funktionsprogramm

Das Raum- und Funktionsprogramm.

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